Donnerstag, 30. November 2017

Generation Influencer

Ich frage mich ob, William Shakespeare oder Oscar Wilde genauso große Lyriker gewesen wären, wenn ihre Generation auch von Twitter oder Facebook beeinflusst wäre? Hätten Sie auch mit grade mal 140 oder 280 Zeichen die Welt beeinflussen können? Hätte Vincent van Gogh vielleicht sogar mit Instagram die Möglichkeit gehabt, vor seinem Ableben mit seiner Kunst erfolgreich zu sein? Oder wäre Che Guevara ein besserer Revolutionär, wenn er Snapchat hätte?

Die Influencer unsere Zeit bilden sich das ein. Eine verzerrte Selbstwahrnehmung, gepaart mit einem ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit, hat sie heute zu dem gemacht, die sie sind. Während es früher wichtiger war einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu haben, wird jungen Leuten gezeigt, dass man sowas nicht mehr nötig hat, um erfolgreich zu sein. Falls alle Stricke reißen, gründen Influencer am liebsten ein eigenen „Merchandise“, um noch mehr unnützes Zeug unters Volk zu bringen. 

Frei nach dem Motto: „Einbildung ist auch eine Bildung“. Wozu nachdenken, wenn Google und Amazon sowieso schon wissen, was gut und schlecht für uns ist? Apropos Bildung - Wird es später vielleicht solche Seminare oder Studienfächer namens „ Influencer-logie“ geben? In der Modulbeschreibung steht vermutlich sowas wie: 
-    Heuchle ein erfolgreiches Leben vor
-    Verdiene mit Produktplatzierungen dein Lebensunterhalt
-    Fotografiere zu jeder Zeit dein Essen 
-  Beeinflusse junge Menschen dahingehend jeden Mist nachzukaufen, der dir von anderen Firmen zugeschickt wird  
-    Tue einfach so, als wäre all das ein richtiger Beruf  
Vertiefungsfächer sind dann natürlich: „Youtube-ismus“ und „Instagram-logie“   
Zum krönenden Abschluss, bekommt man den Bachelor-Titel von RTL verpasst.

Die Währung für alle Influencer sind Follower! Denn nur wer genügend Follower hat, wird von der Öffentlichkeit beachtet und subventioniert. Heutzutage würde jemand wie Leonardo da Vinci vermutlich weniger Follower oder Likes bekommen, als Kim Kardashian und Mona Lisas Lächeln hätte auch keine Chance gegen Kylie Jenners Lippen. (Obwohl ich mir sicher bin, dass er kein Filter gebraucht hätte, um seine Bilder zu bearbeiten.)

Man sollte meinen, dass dank der Globalisierung und des technischen Fortschrittes, Wir viel mehr Möglichkeiten haben, als die Generationen vor uns, aber das ist nicht der Fall. All diese Einflüsse und Möglichkeiten, prasseln auf uns ein, wie ein Taschentuch, das nach einem Regensturm nicht mehr zu gebrauchen ist. Unsere Generation ist nicht in der Lage, ohne ein Akku-Kabel zu überleben. Wir können uns nicht mal mehr an Orten aufhalten, Wo es kein W-Lan gibt. Eine Revolution ohne Hashtags, ist für uns keine. Ohne Hündchen-Öhrchen, Blumenkränze oder einem Duck Face, können wir kein normales Bild mehr von uns zu machen. Wir glauben tatsächlich, dass wir mit nur einem Klick oder einem Video die Welt beeinflussen können. Schließlich wird das unserer Generation vorgegaukelt. Wir können alles bestellen, downloaden, streamen und updaten, ohne dafür vor die Haustür gehen zu müssen. Dabei bleiben wir geistig monoton, ohne es zu bemerken. Unter diesen Voraussetzungen, ist es auch kein Wunder, dass wir heutzutage keine echten „Beeinflusser“, wie Platon, Konfuzius oder Voltaire mehr haben.

Während wir mit dem Schnuller unserer Generation (dem iPhone), wie Zombies durch die Gegend laufen und alles von uns preisgeben, was man nur preisgeben kann, ignorieren wir einfach, was in der realen Welt passiert. Wir bilden uns ein, irgendwas beeinflussen zu können. Dabei schaffen wir es lediglich, Einfluss auf unseren Profilbild zu haben. 


Ich bin Mitte Zwanzig und zitiere im Jahr 2017 immer noch Oscar Wild, ich kenne die meisten berühmten Werke von Vincent van Gogh und weiß wer Che Guevara war. Ich glaube nicht, dass sich irgendein Mensch in den nächsten 5-10 Jahren an „Dagi Bee oder „Pamela Reif“ erinnern wird. Denn genauso wie ein Profilbild, ist auch deren virtuelle Existenz vergänglich!